Das Dritte Denkmal

der nach Mauthausen deportierten Franzosen

 

Eine lange Forschungsarbeit gelangt hier zur Vollendung: das möglichst vollständige und detaillierte Sachregister der Franzosen, die nach oder über Mauthausen deportiert wurden, steht jetzt zur Verfügung. Gelobt sei die Gruppe derjenigen -viele sind heute verstorben, ohne das sie das Endergebnis dieser komplexen, seelisch peinlichen Baustelle erlebten - die, innerhalb ihres Freundesvereins, jahrzehntelang die bestehenden Register bewahrt, verglichen haben , jeden Namen, jede Häftlingsnummer und jeden Leidensweg beurkundet haben. Es musste nicht nur gesammelt, sondern auch interpretiert werden: jede Liste enthält Rätsel, die nur die Überlebenden entziffern können. Das Zusammenwirken ihres unersetzlichen Wissens mit den Forderungen der Historiker und den Werkzeugen der Informatiker besiegelt den Erfolg des vollendeten Werks.

Drittes Denkmal: nach dem französischen Denkmal von Mauthausen, dem allerersten in Österreich (1949) , das auf einer der Terrassen erbaut wurde, wo sich das SS-Quartier befand und wo heutzutage die gesamten nationalen Denkmäler stehen ; fünfzig Jahre nach der Errichtung vom Denkmal im Friedhof Père Lachaise in Paris (1958), ist hier eine immaterielle, und doch echte Gedenkstätte, deren emotionelle und symbolische Bedeutung das dokumentarische Interesse übertrifft und das für jede betroffene Familie , sowie für die Fortsetzung der Gedenkarbeit und für die Kenntnis von Mauthausen in der Gegenwart und für die Zukunft, wahrscheinlich wertvoller ist als Granit.

Besser als ein Buch, allen und überall zugänglich, virtuell aber anschaulich, wissenschaftlich und doch interaktiv, wird dieses Werk zum umfangreichsten und genauesten Nachschlagen on-line angeboten. Familienangehörige, Forscher, Lehrer und Schüler, vom Gewissen angespornt, werden somit jede gewünschte Information und Antworten auf ihr Suchen finden. Die Personalkarte jedes Häftlings schildert seinen Weg vom Ort seiner ersten Haft . Schliesslich,. und allmählich wird jede Etappe zu einer Ton- und Bilddokumentation führen, um den Kontext zu illustrieren, wo sich jeder befand. So vollständig wie möglich, wird die Kartei für eventuelle Korrekturen und Bereicherungen zugänglich bleiben.

Zugunsten einer gesamten Gedenkstätte für alle Häftlinge von Mauthausen, ist die französische Initiative doch auf der Ebene des europäischen Kontinents- ja weiter noch- erst ein Grundstein. Weit davon entfernt, sie zu verdrängen, appelliert sie an diese wesentliche menschliche Wirklichkeit : das brüderliche Band zwischen den französischen Häftlingen und allen ihren aus anderen Ländern entrissenen Kameraden- dazu, was den französischen Freundesverein betrifft, einen besonderen Gruss an die Spanier, die fast alle von Frankreich aus deportiert wurden und von denen die meisten Überlebenden nicht anders konnten, als nach Frankreich zurückzukommen, um da zu leben. Die Lebensgeschichte der einen und der anderen beging sich unter verschiedenen Bedingungen und nach verschiedenen Rhythmen ; die Aufgabe ist nicht zu Ende. Keine Geschichte der Lager, ohne Verbindung mit den Menschen . Wir werden eines Tages über ein gesamtes Panorama der Massendeportationen verfügen, die die Nazis überall durchführten , wo sie herrschten. Mauthausen (der Bahnhof, die Festung, das Netz der Nebenlager) war eine der Endstationen dieser Geographie für Versklavung und Tod

Daniel SIMON
Präsident des Freundesvereins von Mauthausen
November 2007